Henrik Harsdorff macht sein FSJ als Schulbegleiter bei Malteser

Sein Arbeitstag beginnt um sieben Uhr – mit einem ausgiebigen Frühstück im Kreis der Familie. Dass es nicht seine eigene ist, stört den 20-jährigen Henrik wenig. Er macht sein Freiwilliges Soziales Jahr als integrativer Schulbetreuer beim Malteser Hilfsdienst in Fulda und ist seit Schuljahresbeginn dem 13-jährigen Felix zur Seite gestellt, der wegen seiner Körperbehinderung auf Hilfe angewiesen ist. Daraus ist mit der Zeit ein Verhältnis entstanden, das für alle Seiten ein echter Gewinn ist.

Nach dem Frühstück mit den Eltern und Geschwistern von Felix hilft Henrik dem Teenager aus Petersberg, der von Kleinwüchsigkeit betroffen ist und die meiste Zeit einen Rollstuhl benötigt, beim Anziehen der Jacke und Verstauen des Schulranzens, dann machen sich beide zusammen auf den Weg in die Schule. Der 13-Jährige besucht die siebte Klasse des Domgymnasiums. Dass er kleiner und in seiner Bewegung eingeschränkter als seine Mitschüler ist, spielt die meiste Zeit keine Rolle. Felix nimmt an einer Rhetorik-AG teil, und selbst der Sportunterricht stellt keine Hürde für ihn dar. „Meine Aufgabe besteht darin, Felix im Schulalltag bei all dem zu unterstützen, was er alleine nicht so gut hinbekommt“, berichtet Henrik. Dazu gehört die Hilfe beim An- und Ausziehen, beim Wechseln der Unterrichtsräume oder dem Anreichen von Stiften, Büchern oder Heften. „Ich begleite ihn zu den Treffen mit seinen Freunden und zum Mittag-essen in die Mensa, aber eben auch zur Toilette und zum Händewaschen.“ Als täglicher Begleiter von Felix ist Henrik längst voll in die Klasse integriert und tritt manchmal sogar als sensibler Vermittler zwischen Lehrern und Schülern auf, auch wenn das eigentlich nicht zu seinen Aufgaben gehört.

Nach Schulschluss gegen 14 Uhr bringt er Felix dann wieder mit seinem Rollstuhl nach Hause, nicht selten bleibt er noch zum Mittagessen.
Seine Arbeit mit dem Jungen empfindet Henrik, der vor einem Jahr selbst noch die Rudolf-Steiner-Schule in Loheland besucht hat, ebenso wie das herzliche Verhältnis zu dessen Familie als außerordentlich bereichernd: „Als Schulbegleiter kann ich Felix einen für ihn angemessenen Schulbesuch ermöglichen. Das ist doch toll!“, schwärmt er. Er habe schon immer etwas machen wollen, mit dem er der Gesellschaft etwas zurückgeben könne. Gleichzeitig lerne er das Leben aus einem anderen Blickwinkel kennen und schließlich auch sein eigenes in besonderer Weise zu schätzen.

Gefunden haben sich die beiden, deren Verhältnis Henrik schmunzelnd mit dem der Protagonisten aus dem Kinoerfolg „Ziemlich beste Freunde“ vergleicht, über den Malteser Hilfsdienst. Der sogenannte Schulbegleitdienst ist ein Einsatzfeld, das überwiegend von Freiwilligen im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) oder des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) abgedeckt wird. Gemäß §53 und §54 SGB XII vermitteln die Malteser im Auftrag des Landkreises Fulda Betreuer an Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung, damit sie den in Schulen gestellten Anforderungen möglichst selbstständig begegnen können. „Jedes Kind in Deutschland – egal ob seelisch, geistig oder körperlich beeinträchtigt oder nicht – soll frei nach seinen Fähigkeiten entscheiden können, welche Schule es besuchen will“, so Claudia Schneider, die bei den Maltesern den Schulbegleitdienst koordiniert und gerade zu Schuljahresbeginn immer wieder vor der Herausforderung steht, den Bedarf zu decken. „Wir brauchen einfach viel mehr junge Menschen wie Henrik, die Lust darauf haben, sich für ihre Mitmenschen einzusetzen und mal ein Jahr lang etwas ganz anderes zu machen.“ Besonders wichtig seien Offenheit, Empathie und Beständigkeit im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen, die sich selbst immer wieder auf neue Betreuer einstellen müssten.

Dass Felix und Henrik inzwischen ein eingespieltes Team sind, beweist auch die Tatsache, dass Felix Henrik gebeten hat, ihn in den Sommerferien auf einer Messdiener-Fahrt nach Rom zu begleiten. Sein Dienst ist dann eigentlich schon zu Ende, aber der 20-Jährige kommt dem Wunsch des Schülers trotzdem gern nach. „Zusammen mit seinen Freunden werden wir sicher viel Spaß haben“, freut sich Henrik. Im Anschluss an sein FSJ wird er dann eine Laufbahn im öffentlichen Dienst einschlagen.

Info
Der Einstieg als integrativer Schulbegleiter bei den Maltesern im Rahmen eines zwölfmonatigen FSJ oder beim BFD ist grundsätzlich immer möglich. Die monatliche Vergütung beträgt 450 Euro bei Vollzeittätigkeit (inkl. Sozialversicherung). Es werden keine Vorkenntnisse benötigt. Parallel finden fünf einwöchige Seminare statt. Weitere Einsatzmöglichkeiten: Rettungsdienst, Erste-Hilfe-Ausbildung, Fahrdienst und Menüservice. Infos erteilen Claudia Schneider (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) und Tanja Tillmann (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) per E-Mail oder telefonisch unter (0661) 9531033.

(Foto: S. Bode / Text: N. Moalem)