Die Aufgabe, ältere Erwerbslose in Beschäftigung zu bringen, bleibt auch nach Auslaufen des Bundesprogramms Perspektive 50plus bestehen.
Die dabei gemachten Erfahrungen könnten auf die neuen Herausforderungen einer aktiven Arbeitsmarktpolitik übertragen werden. So lautete das Fazit von Landrat Bernd Woide beim 7. Fuldaer Unternehmerforum. Die Veranstaltung bildete gleichzeitig den Abschluss der Beschäftigungsinitiative 50plus im Landkreis.
Zur Begrüßung der Gäste im Petersberger Propsteihaus unternahm der Fachbereichsleiter kommunaler Arbeitsmarkt beim Kreisjobcenter, Ulrich Nesemann, den Versuch, zehn Jahre Perspektive 50plus in zehn Minuten schlaglichtartig anhand von besonderen Highlights Revue passieren zu lassen. Beispielsweise erwähnte er den Besuch des damaligen Bundesarbeitsministers Franz Müntefering zur deutschlandweit ersten Auszeichnung von Unternehmen mit Weitblick. Durch die kontinuierliche Arbeit im Team, motivierte Kunden, engagierte Betriebe und ein funktionierendes Netzwerk sei es gelungen, die Chancen älterer Menschen auf dem heimischen Arbeitsmarkt deutlich zu verbessern. So habe die Anzahl langzeitarbeitsloser Älterer im Projektzeitraum um über 400 Personen verringert werden können.
Bevor Hermann Diel als Moderator des Abends das Wort an Professor Dr. Frank Unger von der Hochschule Fulda für seinen Vortrag zum Thema „Erfolgreiche Integration älterer Arbeitsnehmer: Was wirkt wirklich?“ weitergab, nutzte Landrat Woide die Gelegenheit, sich nicht nur bei den eigenen Mitarbeitern, sondern bei allen Kooperationspartner für ihren Einsatz zu bedanken, die einen Beitrag zur Umsetzung der Beschäftigungsinitiative im Landkreis Fulda geleistet hätten. Ein entscheidender Vorteil sei die Möglichkeit der regionaltypischen Akzentuierung von 50plus gewesen. „Wir brauchen diese Gestaltungsräume, auch wenn es um die berufliche Integration von Flüchtlingen geht, und dürfen nicht immer zuerst auf die Einhaltung der Regularien schauen.“
In seinem Vortrag rief Professor Unger dazu auf, die besonderen Qualitäten der Lebensälteren für die moderne Arbeitswelt wie Erfahrungswissen, strategisches Denken, Problemlösungskompetenzen, Willensstärke und Verlässlichkeit zu nutzen. Zwar würden Lerntempo, Flexibilität und körperliche Belastbarkeit mit dem Alter abnehmen. Nicht immer sei der schnellste Weg aber auch der klügste und nachhaltigste. Im betrieblichen Alltag überwiege häufig ein Defizit-Bild von älteren Arbeitnehmern. Zur (Wieder-) Eingliederung älterer Arbeitsloser in das Erwerbsleben empfahl der Wissenschaftler unter anderem kleinteilige Ziele, eine altersgemäße Arbeitsplatzgestaltung, geeignete Weiterbildungsmaßnahmen und gegebenenfalls eine psychosoziale Unterstützung.
An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben Projektleiter Ulrich Nesemann, Landrat Bernd Woide und Professor Frank Unger auch IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schunck, Kreishandwerksmeister Claus Gerhardt und Ingrid Knoll von der Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung in Berlin teil, die für die Koordination der Beschäftigungsinitiative auf Bundesebene verantwortlich ist. In der Diskussion wurde die Auffassung vertreten, dass arbeitslose ältere Menschen mehr Wertschätzung verdient hätten, damit sie zeigen könnten, was in ihnen stecke. Hermann Diel resümierte: „Das Erfolgsmodell 50plus beweist, dass es sich lohnt, dicke Bretter zu bohren.“ Der Abend klang mit meet & talk unter musikalischer Begleitung des Duos Chris & me aus.
(Foto: M. Auth)