Kreisjobcenter bahnt den Weg zur erfolgreichen beruflichen Rehabilitation

Nach Möglichkeit für jeden Arbeitslosen eine Arbeitsstelle finden - das ist das Ziel des Kreisjobcenters des Landkreises Fulda.  

Das ist oft nicht einfach, denn die Kunden des Jobcenters sind bereits häufig mindestens ein Jahr ohne Arbeit. Doch auch nach Jahren ohne Arbeit gibt es viele Möglichkeiten für die Betroffenen, wieder einen qualifizierten Job zu finden.

Ein besonders positives Beispiel ist die Geschichte von Andreas Trabert (38) aus Petersberg-Steinau. Nach der Lehre als Elektroinstallateur arbeitete er in seinem Beruf, machte im Jahr 2000 das Fachabitur nach, studierte ein Jahr, arbeitete dann wieder in seinem Beruf. Dann aber verlor er betriebsbedingt seinen Arbeitsplatz, wurde krank und blieb es lange. Abgesehen von kleinen Unterbrechungen konnte er neun Jahre lang nicht arbeiten. Mit seiner andauernden Arbeitslosigkeit wollte er sich aber dann nicht mehr abfinden. "Ich hatte einen Punkt erreicht, wo ich nicht mehr zu Hause rumsitzen wollte. Auch die Tatsache, dass ich mir mit Hartz-IV nichts leisten konnte und ich keine Hobbys pflegen konnte, wurmte mich. Ich war entschlossen: Ich wollte jetzt wirklich raus aus meiner Lage."

Auch Menschen, die ihn unterstützen, trieben ihn an. Dazu gehörte Demet Yurtsever (43), seine Betreuerin im Kreisjobcenter. Gemeinsames Ziel war die Integration auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, die über die berufliche Rehabilitation ermöglicht wurde. "Eine solche Maßnahme kann das Kreisjobcenter auf den Weg bringen, wenn der erwerbsfähige Leistungsberechtigte den zuvor ausgeübten oder erlernten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiter ausführen kann", erklärt Yurtsever.

Mit der Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit in Fulda, die Träger der beruflichen Rehabilitation wurde, kam das Kreisjobcenter zu dem Schluss, dass Traberts technische Fähigkeiten eine gute Basis sind und eine Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker erfolgversprechend wäre, um langfristig wieder arbeiten zu können.

Ab Sommer 2014 absolvierte Trabert in einer beruflichen Rehabilitation an der Ferdinand-Braun-Schule die dafür notwendige zweijährige Qualifikation in Vollzeit. "Als ich anfing, wusste ich nicht, wie gut ich sein werde. Aber mir war klar: Ich halte durch", berichtet Trabert. Yurtsever ließ sich regelmäßig vom Fortgang der Ausbildung berichten - und freute sich mit über die Entwicklung.

Im Sommer 2016 bestand Trabert im Alter von 36 Jahren die Prüfung zum "Staatlich geprüften Techniker, Fachrichtung Elektrotechnik, Schwerpunkt Energietechnik und Prozessautomatisierung" mit der Durchschnittsnote 1,4 und war damit Zweitbester in der Klasse. Angespornt durch seine hervorragenden Prüfungsleistungen absolvierte er zusätzlich die Prüfung in Berufs- und Arbeitspädagogik und erhielt die Ausbilder-Eignung. Das Kreisjobcenter übernahm die Lehrgangsgebühr und gewährte während der zwei Jahre dauernden Techniker-Ausbildung einen Zuschlag von rund 120 Euro auf den regulären Hartz-IV-Monatssatz.

Damit hatte Trabert aber noch keine neue Arbeit. Christoph Noll (58) vom Arbeitgeber-Service des Kreisjobcenters pflegt einen engen Kontakt zu vielen Unternehmen im Kreis. "Mir war klar, dass Andreas Trabert zu drei oder vier Firmen im Kreis, darunter die EDAG, gut passen würde", berichtete Noll. "Wir schlagen Unternehmen nur Kandidaten vor, von denen wir überzeugt sind. Bei Herrn Trabert waren wir sicher, dass er engagiert und gut ausgebildet ist." "Wir suchen gezielt Betriebe, bei denen Mitarbeiter und Arbeitsstelle zueinander passen könnten", sagt Markus Vogt, stellvertretender Fachdienstleiter Kommunaler Arbeitsmarkt im Kreisjobcenter. "Denn wir wollen Betriebe ja nicht enttäuschen."

Trabert hatte sich parallel bei der EDAG Production Solutions als Automatierungstechniker beworben. "Die Bewerbung stieß bei uns auf großes Interesse. Wir haben damals ein neues Geschäftsfeld eröffnet. Darin werden Vorrichtungen für Produktionsanlange in der Automobilproduktion entwickelt. Wir haben jemanden gesucht, der diese Vorrichtungen nach unserem internen UniSerienStandard konstruiert, in der Werkstatt montiert und sie beim Kunden installiert. Andreas mit seiner Ausbildung und Erfahrung in Theorie und Praxis passte perfekt zur Stelle", erklärt Christoph Schultheis (36), Fachteamleiter Automation bei der EDAG Production Solutions.

"Allerdings ist der Themenbereich sehr komplex und die Neuartigkeit des Geschäftsfeldes brachte für die Stelle eine besondere Herausforderung mit sich. Deshalb regten wir an, dass wir Andreas zunächst in einer  drei Monate dauernden Erprobung kennenlernen möchten", ergänzt Schultheis. In dem drei Monate dauernden Praktikum zeigte sich, dass Trabert nicht nur die erforderlichen Kompetenzen besitzt, sondern sich auch hervorragend ins Team integrieren konnte und zudem mit Stress und Zeitdruck umgehen kann. Es passte einfach. Im Mai 2017 bekamt Trabert von der EDAG Production Solutions seinen Arbeitsvertrag.

Mitarbeiter und Unternehmen sind heute höchst zufrieden. "Die Arbeit macht mir Spaß", betont Trabert. "Es ist ein tolles Gefühl, sich von der eigenen Arbeit etwas leisten zu können. Ich habe jetzt ein Auto, kann Freunde auch einmal zum Essen einladen - und das Leben einfach genießen." "Wir sind froh, dass wir Andreas zu unserem Team zählen dürfen", erwidert Schultheis.

 

Text und Foto: Fuldaer Zeitung, Volker Nies

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