Mehr Phantasie für ein inklusives Arbeitsleben

Können Sie sich einen blinden Mitarbeiter in einer Schreinerwerkstatt vorstellen? Die spontane Antwort der Idealisten lautet möglicherweise: „Warum nicht!?“ Die Antwort der Realisten eventuell: „Welche Arbeit könnte er dort ausführen!?“ 

„Einfach mal etwas Fantasie entwickeln“, dazu rät Joachim Penz allen, die an einer gelingenden Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Handicap noch ihre Zweifel haben. Seit Anfang dieses Jahres klopft der Perspektiva-Mitarbeiter und Projektkoordinator im Rahmen des Projekts „Fulda Futur“ an hiesige Unternehmenstüren, um das Thema Inklusion noch bekannter zu machen und gleichzeitig um Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderung zu werben.

Dieser Auftrag ist ein Kernanliegen des Projekts, das im Rahmen der Inklusionsinitiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales initiiert wurde und in Kooperation von Kreisjobcenter, Agentur für Arbeit und Perspektiva seit Anfang des Jahres umgesetzt wird. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Ausgleichsfonds. „Wir wollen innerhalb der drei Jahre arbeitslosen Menschen mit anerkannter Behinderung die Chance auf einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz geben“, erklärt Alexander Schäfer, Sachbearbeiter im Fachdienst Kommunaler Arbeitsmarkt des Kreisjobcenters, das Ziel. Bis dato seien bereits acht sozialversicherungspflichtige Arbeits- beziehungsweise Ausbildungsaufnahmen zustande gekommen.

Doch allein um Zahlen geht es bei diesem Projekt nicht, denn „Fulda Futur“ ist mehrdimensional angelegt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bewusstseinsbildung. „Inklusion bedeutet Überzeugungsarbeit“, weiß Ulrich Nesemann, Projektleiter beim Kreisjobcenter. „Wir möchten durch das Projekt noch mehr Menschen dazu bewegen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, das nicht nur in die Köpfe, sondern in die Herzen muss.“ Und so zählen neben Unternehmern, Schülerinnen und Schüler sowie den Bürgern der Region auch Menschen mit Behinderung zu den Zielgruppen, die durch ganz unterschiedliche Bausteine für das Thema sensibilisiert werden sollen. „Kinoabende in der Kulturscheune, inklusive Tanzkurse, Teamtrainings mit behinderten und nicht behinderten Jugendlichen oder Inklusion als regelmäßiges Unterrichtsthema in der Freiherr-von-Stein-Schule“, zählt Joachim Penz Beispiele für bewusstseinsbildende Maßnahmen auf.

„Es gibt viele Teilprojekte mit Ansätzen, deren Wirkung nicht wirklich messbar ist. Deshalb brauchen wir Zeit und Geduld, bis sich Dinge entfalten“, unterstreicht Ulrich Nesemann. Und Alexander Schäfer ergänzt: „Wir erhoffen uns von ‚Fulda Futur‘, dass wir einen Beitrag dazu leisten, dass das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung in unserer Gesellschaft immer mehr zur Normalität wird.“

Um Unternehmen zu erreichen, die bislang noch keine oder wenige Erfahrungen mit der Beschäftigung von behinderten Menschen gesammelt haben, findet am Donnerstag, 3. Dezember, von 17 bis 18.30 Uhr auf dem Theresienhof, Maberzeller Straße 75, in Fulda eine Infoveranstaltung rund um das Thema „Arbeitsverhältnis von Menschen mit Behinderung“ statt. Die beteiligten Projektpartner haben Unternehmen eingeladen und werden unter anderem Fragen zur Organisation, zur Finanzierung und zu den rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Beschäftigung von behinderten Menschen beantworten. Darüber hinaus kommen auch Unternehmer und Menschen mit Handicap zu Wort, die über ihre persönlichen Erfahrungen aus dem inklusiven Arbeitsleben berichten.

 

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